Richard von Sankt-Viktor ist ein mittelalterlicher Theologe, der einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um einen adäquaten Personbegriff geleistet hat. Seine Definition von persona baut auf der klassischen Bestimmung des Boëthius auf, korrigiert sie jedoch in einem entscheidenden Punkt: Er ersetzt den Begriff substantia durch existentia und betont damit den eigenständigen Existenzvollzug der Person. Diese Weiterentwicklung wurde von Thomas von Aquin aufgegriffen und in die thomistische Personontologie integriert.

Seine Formel lautet: intellectualis naturae incommunicabilis existentia — die unkommunizierbare Existenz intellektueller Natur. Im Unterschied zu Boëthiusindividua substantia betont Richard damit nicht nur die Individualität, sondern auch die Relationalität der Person: Die Person existiert als Jemand, der in einer communio amoris steht (Bexten 2017, S. 112–114). Dieses relationale Moment wird in der Dissertation als wesentlicher Beitrag zur substanzontologischen Bestimmung der Person gewürdigt, insofern es den Seinsmodus des Personseins um die Dimension der Communio ergänzt. Richards Personbegriff markiert damit eine entscheidende Vermittlung zwischen dem substanzontologischen Erbe der Antike und dem personalistischen Denken der Neuzeit.

Beitrag zum Argument der Einmaligkeit

Richard liefert den historischen Kern des Arguments der Einmaligkeit der Person. Indem er in seiner Definition substantia durch existentia ersetzt, rückt er den einmaligen Existenzvollzug ins Zentrum: Jede Person ist ein einmaliges Hervorbringen ins Sein, nicht ein weiteres Vorkommen einer Art. Spaemann hat dieses Argument in die Gegenwart übersetzt, doch der begriffliche Grund liegt bei Richard. Zusammen mit den Argumenten Natur als Grund und urphänomenales An-sich-Sein bildet die Einmaligkeit die dritte Säule der positiven Argumente für den substanzontologischen Personbegriff.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 112—114 (Richards Weiterentwicklung des boethianischen Personbegriffs um das relationale Moment der communio amoris).

Weitere Quellen:

  • De Trinitate, bes. IV, 7 (Person als intellectualis naturae incommunicabilis existentia — Weiterentwicklung des Boethianischen Personbegriffs)

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