Die irreduzible Dimension der Zeitlichkeit als solche — das Urphänomen aller Phänomene (Husserl). Der absolute Bewusstseinsstrom ist selbsterscheinend und selbstkonstituierend: er benötigt keinen weiteren Strom, um sich selbst zu erfassen.
Ingarden betont: ‘Die Zeit ist weit fundamentaler als der Raum.’ Zeitlichkeit differenziert alle vier Seinsmodi (absolutes, ideales, reales, intentionales Sein). Conrad-Martius unterscheidet aeonische und apeirische Zeit. Die Zeit als irreduzible Dimension ist streng zu unterscheiden von der zeitlichen Entität, die die Dinge in der Zeit umfasst — Zeitpunkte und Zeiträume.
Zeitliche Entität
Zeitliche Entität ist die Oberklasse für Zeitpunkte und Zeiträume. Sie bildet die Grundlage für die zeitliche Erfassung des Personseins in der Ontologie.
Die zeitliche Dimension ist für die Person von grundlegender Bedeutung. Die Person existiert in der Zeit, sie hat einen Anfang (die Empfängnis) und durchlebt verschiedene Lebensphasen. Die Unterscheidung zwischen Zeitpunkt und Zeitraum ermöglicht es, sowohl punktuelle Ereignisse (wie die Empfängnis oder den Tod) als auch ausgedehnte Prozesse (wie das Wachstum oder eine Lebensphase) präzise zu erfassen.
Die zeitliche Entität bildet zusammen mit der Räumlichen Entität den kategorialen Rahmen, in dem sich das leibliche Leben der Person vollzieht.
Ontologische Einordnung
Oberbegriff: Seiendes
Unterklassen: Zeitpunkt, Zeitraum
Zeitliche Zuschreibung
Zeitliche Zuschreibung ist eine reifizierte Relation, die eine Eigenschaftszuschreibung mit einem Zeitraum verknüpft. Sie erlaubt es, in der Ontologie auszudrücken: “Subjekt hat Eigenschaft P während Zeitraum T”. Dieses Modellierungsmuster ist notwendig, um die zeitliche Dimension des Personseins formal zu erfassen.
Die zeitliche Zuschreibung verknüpft ein Subjekt, eine Eigenschaft und einen Zeitraum miteinander. Sie hat verschiedene Unterklassen. Die Fähigkeitszuschreibung besagt, dass eine bestimmte Fähigkeit während eines Zeitraums gilt. Der Dimensionszustand besagt, dass eine Person sich in einer bestimmten Dimension während eines Zeitraums befindet. Der Normzustand erfasst etwa, dass eine Person während eines Zeitraums instrumentalisiert wird.
Diese Differenzierung ermöglicht es, die Veränderungen im Leben einer Person präzise zu erfassen, ohne ihr unveränderliches Personsein und ihre Würde in Frage zu stellen.
Ontologische Einordnung
Oberbegriff: Seiendes
Unterklassen: Fähigkeitszuschreibung, Dimensionszustand, Normzustand
Ontologische Beziehungen:
Zeitpunkt
Ein Zeitpunkt ist ein ausdehnungsloser Punkt in der Zeit. Er bildet zusammen mit dem Zeitraum die beiden Unterklassen der Zeitlichen Entität. Zeitpunkt und Zeitraum sind disjunkt: Ein Zeitpunkt hat keine Dauer.
Für die Person markieren bestimmte Zeitpunkte entscheidende Wendepunkte ihres Lebens: der Zeitpunkt der Empfängnis, ab dem sie existiert und volles Personsein besitzt, und der Zeitpunkt des Todes, an dem ihre leibliche Existenz endet. Ein Zeitpunkt kann einen konkreten kalendarischen Wert haben und dient als Beginn oder Ende eines Zeitraums. Die zeitliche Bestimmtheit der Person — ihr Anfang an einem bestimmten Zeitpunkt — bezeugt ihre Kontingenz als geschaffenes Seiendes.
Ontologische Einordnung
Oberbegriff: Zeitliche Entität
Ontologische Beziehungen:
Zeitraum
Ein Zeitraum ist ein zeitliches Intervall mit positiver Dauer. Er bildet zusammen mit dem Zeitpunkt die beiden Unterklassen der Zeitlichen Entität.
Jeder Zeitraum hat einen Beginn und ein Ende, die jeweils als Zeitpunkte modelliert werden. Zeiträume können in vielfältigen zeitlichen Relationen zueinander stehen: sie können voreinander liegen, aneinandergrenzen, sich überlappen oder ineinander enthalten sein. Für die Person sind Zeiträume die Grundstruktur ihres zeitlichen Daseins: Die Lebensphasen — die pränatale Phase, die Kindheit, das Erwachsenenalter — sind Zeiträume, in denen sich das Personsein in seinen verschiedenen Dimensionen entfaltet. Die Zeitliche Zuschreibung verknüpft Eigenschaften der Person mit dem Zeitraum, während dessen sie gelten.
Ontologische Einordnung
Oberbegriff: Zeitliche Entität
Ontologische Beziehungen:
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 32–34 (Zeitbewusstsein und Phänomenologie).
Weitere Quellen:
- Ingarden, Roman (1964/65): Der Streit um die Existenz der Welt. Bd. I. Tübingen: Niemeyer („Die Zeit ist weit fundamentaler als der Raum”).
- Husserl, Edmund (1928): Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewusstseins. Halle: Niemeyer.
- Conrad-Martius, Hedwig (1954): Die Zeit. München: Kösel.
Ontologische Beziehungen:
- ist Unterklasse von: Urphänomen
Siehe auch: