Berthold Wald ist ein deutscher Philosoph, Professor für Systematische Philosophie an der Theologischen Fakultät Paderborn (2002–2018) und Leiter der Josef-Pieper-Arbeitsstelle. Sein Beitrag zum Buch liegt in der substanzontologischen Begründung der Identität von Menschsein und Personsein und in der philosophiehistorischen Rekonstruktion des Personbegriffs von der Antike bis zur Gegenwart.

Schlüsselbeitrag

Walds Habilitationsschrift Substantialität und Personalität (2005) entfaltet die These: Die personkonstituierenden Merkmale — Selbstbewusstsein, Relationalität, Identität — sind nicht gegen den Substanzbegriff zu denken, sondern im Substanzbegriff eingeschlossen. Person-Sein ist eine bestimmte Weise des Substanz-Seins. Damit wendet sich Wald gegen die seit Locke und Kant verbreitete Annahme, der Substanzbegriff sei für die Personalontologie unbrauchbar.

Grundthese: Menschsein ist Personsein. Jeder Mensch ist als Mensch bereits Person — nicht erst durch den Nachweis bestimmter Fähigkeiten wie Rationalität, Autonomie oder Selbstbewusstsein. Dies ist eine dezidiert anti-funktionalistische Position, die sich mit dem substanzontologischen Personbegriff des Buches deckt.

Zentrale Ideen im Buch

Philosophiehistorischer Durchgang

Wald zeichnet die Entwicklung des Personbegriffs nach: von Aristoteles’ Metaphysik über die kritische Rezeption der boethianischen Personformel (naturae rationalis individua substantia) durch Richard von St. Viktor und Bonaventura bis zu Thomas von Aquins christologischen Schriften, in denen der Personbegriff seine reifste Form erhält.

Gegenmodell zur Moderne

Wald entwickelt ein kohärentes Gegenmodell zu modernen Persontheorien. Moderne Theorien (Locke, Kant, Scheler, Heidegger) leiten Person-Merkmale unmittelbar aus der Selbsterfahrung und wechselseitigen Anerkennung ab, während sie die seinsphilosophische Fundierung des Substanzbegriffs für unerweislich oder kategorial verfehlt halten. Wald zeigt, dass diese Ablehnung auf einem Missverständnis des aristotelisch-thomistischen Substanzbegriffs beruht.

Luther-Kritik

In Person und Handlung bei Martin Luther (1993) argumentiert Wald, dass Luther die reale Korrelation von Person und Handlung aus theologischen Gründen auflöst: Nur der Glaube, nicht die Werke, sei für das Heil der Person relevant. Die Bedeutung des Handelns liege bei Luther allein in seiner Wirkung auf andere — womit Luther zum Wegbereiter des utilitaristischen Moralprinzips werde. Aus thomistischer Sicht widerspricht dies dem agere sequitur esse: Das Handeln folgt dem Sein und vollendet die Person, es ist nicht bloßes Mittel zu einem äußeren Zweck.

Josef Pieper

Als Herausgeber der Pieper-Werkausgabe (8 Bände, Felix Meiner Verlag) hat Wald das Werk des bedeutendsten deutschen Thomisten des 20. Jahrhunderts für die Forschung erschlossen. Piepers philosophische Anthropologie — der Mensch als creatura mit unverfügbarer Würde — bildet einen Hintergrund für Walds eigene Personalontologie.

Stellung im Buch

Walds substanzontologische Begründung des Personbegriffs ergänzt die Positionen von Spaemann, Seifert und Wojtyła. Während Spaemann die Unterscheidung von jemand und etwas phänomenologisch entfaltet und Seifert die Personwürde als ontologischen Wert bestimmt, liefert Wald die philosophiehistorische Tiefenbohrung: Er zeigt, dass der substanzontologische Personbegriff keine Engführung der Scholastik ist, sondern das Ergebnis einer zweitausendjährigen Denkarbeit, die in Thomas von Aquin ihre reifste Form findet.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 113–141 (Substanzontologie und Personbegriff).

Weitere Quellen:

  • Wald, Berthold (2005): Substantialität und Personalität. Philosophie der Person in Antike und Mittelalter. Paderborn: Bonifatius.
  • Wald, Berthold (1993): Person und Handlung bei Martin Luther. Weilheim-Bierbronnen: Gustav-Siewerth-Akademie (Schriftenreihe der Gustav-Siewerth-Akademie, Bd. 9).
  • Wald, Berthold (1986): Genitrix Virtutum. Zum Wandel des aristotelischen Begriffs praktischer Vernunft: Thomas von Aquin – Johannes Duns Scotus – Wilhelm von Ockham – Martin Luther. Münster.
  • Wald, Berthold (2017): Christliches Menschenbild. Zugänge zum Werk von Josef Pieper. München: Pneuma Verlag.
  • Wald, Berthold (2021): „Menschenwürde und Menschenrechte. Unverzichtbarkeit und Tragweite naturrechtlicher Begründungen”. In: Revista Internacional d’Humanitats 53.

Siehe auch