Luciano Floridi — Direktor des Digital Ethics Center an der Yale University (zuvor Oxford) — ist einer der einflussreichsten gegenwärtigen Philosophen im Feld der Informations- und KI-Ethik. Seine Information Ethics (aufgebaut zwischen 1999 und 2013) bietet einen originellen, aber aus Sicht der Personalontologie problematischen Gegenentwurf.

Schlüsselbeitrag

Floridi entwirft die Information Ethics als eine ontologisch zentrierte, nicht-anthropozentrische Ethik. Der Grundgedanke: Alles, was ist, ist informationell beschreibbar. Aus dieser Ontologie leitet Floridi eine minimale Würdigungspflicht allem Seienden gegenüber ab — dem sogenannten entropic harm-Prinzip: Man soll die Informations­sphäre (Infosphäre) nicht unnötig entropisch reduzieren.

In seinem Buch The Ethics of Information (2013) differenziert Floridi vier Prinzipien in aufsteigender ethischer Stärke: 0. Entropie darf in der Infosphäre nicht verursacht werden

  1. Entropie soll verhindert werden
  2. Entropie soll beseitigt werden
  3. Die Blüte informationeller Entitäten soll gefördert werden

Daraus ergibt sich ein gradualistischer Moralstatus, der von der Steinbank bis zur menschlichen Person reicht — mit unterschiedlicher Gewichtung, aber ohne kategoriale Schranke.

Bedeutung für die Personalontologie — kritische Einordnung

Die Personalontologie erkennt Floridis Versuch an, Ethik ontologisch zu fundieren — das Anliegen teilt sie. Sie weist aber die zugrundeliegende Ontologie zurück. Die These Sein = Information ist reduktiv: Sie nivelliert genau jene Seinsstufen-Unterscheidung (SeiendesSubstanzbelebte Substanzgeistige SubstanzPerson), die für die Personalontologie konstitutiv ist.

Die konkrete Gefahr: Wenn bereits Steine, Datenobjekte und Programme einen — wenn auch minimalen — Moralstatus besitzen, dann verliert die Auszeichnung der Person ihre kategoriale Schärfe. Das Ergebnis ist wieder eine Form der Personvergessenheit: Die Person wird zu einem besonders komplexen Fall von Information, nicht zum kategorial Anderen. Würde gradualisiert, Spaemanns jemand-etwas-Unterscheidung löst sich auf.

Floridis Ansatz ist methodologisch instruktiv — er zeigt, dass eine nicht-personalistische Fundamentalontologie in der Roboethik zur Ausdehnung des Moralstatus auf Maschinen tendiert. Diese Konsequenz illustriert umgekehrt, warum die personalistische Ontologie unverzichtbar bleibt.

Stellung im Buch

Floridi repräsentiert im Buch die philosophisch ambitionierteste Gegenposition: nicht relativistisch, nicht utilitaristisch, sondern ontologisch fundiert — aber mit falscher Fundamental­ontologie. Die Auseinandersetzung mit ihm ist die schärfste Probe auf die Notwendigkeit substanzontologischer Schichtung.

Siehe auch

Quellenangaben: Floridi, Luciano (2013): The Ethics of Information. Oxford University Press.

Weitere Quellen:

  • Floridi, Luciano (1999): „Information Ethics: On the Philosophical Foundation of Computer Ethics”. Ethics and Information Technology 1(1), S. 37–56.
  • Floridi, Luciano (2011): The Philosophy of Information. Oxford University Press.
  • Floridi, Luciano (2014): The Fourth Revolution: How the Infosphere is Reshaping Human Reality. Oxford University Press.
  • Floridi, Luciano / Sanders, J. W. (2004): „On the Morality of Artificial Agents”. Minds and Machines 14(3), S. 349–379.