Die Befruchtung — die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle — markiert den Beginn eines neuen menschlichen Personseins. Ab diesem Zeitpunkt existiert ein neues Seiendes mit eigener Natur, eigener genetischer Identität und eigener Substanz (vgl. Bexten 2017, S. 195 ff.).

Empirisch gliedert sich die Befruchtung in zwei Schritte: die Penetration der Eizelle durch das Spermium und die Syngamie — die Verschmelzung der beiden Vorkerne ca. 22 Stunden später. Ein Teil der Embryologie-Literatur sieht in der Syngamie, nicht in der Penetration, das eigentliche Anfangsereignis des neuen Organismus, weil hier zum ersten Mal ein vollständiges, eigenständig agierendes diploides Genom existiert (Sadler, Langman’s Medical Embryology, 15. Aufl. 2023; O’Rahilly & Müller 2010). Dieser Streit verschiebt das ontologische Anfangsdatum allenfalls um Stunden — er stellt die personalontologische Grundthese nicht in Frage.

In der internationalen Konvention der Carnegie-Stadien entspricht die Zygote dem Carnegie-Stadium 1 (Tag 1, Totipotenz); die folgende Furchung dem Carnegie-Stadium 2 (Tag 2–3). Vgl. die Übersicht in Embryo.

Was bei der Befruchtung beginnt, ist nicht bloß ein biologischer Prozess, der irgendwann “personale Qualität” gewinnt. Von Anfang an ist es das personale Leben eines Jemand. Die geistige Seele — das Lebensprinzip des Menschen — durchformt den neuen Organismus von der ersten Zelle an als seine Wesensform. Thomas von Aquin lehrt, dass die Seele die forma corporis ist, die den Stoff zum Leib und den Leib zur Leib-Seele-Einheit macht.

Der Embryo besitzt damit alle Merkmale der ersten Dimension des Personseins. Er ist real, in sich stehend, einmalig und hat die aktive Anlage zur Entfaltung aller personalen Fähigkeiten der zweiten und dritten Dimension. Spaemann formuliert pointiert: “Es gibt keine potentiellen Personen.” Die Unterscheidung von Akt und Potenz bezieht sich auf die Fähigkeiten, nicht auf das Personsein selbst.

Die Versuche, den Beginn des Personseins auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen — etwa auf die Nidation, die Gehirnentwicklung oder das Bewusstsein —, beruhen auf dem empirisch-funktionalistischen Personbegriff. Dieser verwechselt Personsein mit Personverhalten (agere sequitur esse). Mit dem Personsein kommt dem Embryo unverlierbare Würde zu. Die Personalistische Norm gilt vom Augenblick der Befruchtung an.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein? (bes. 4.7.3), Kapitel 5: Personvergessenheit

Empfängnis

Die Empfängnis ist der Abschluss der Gametenfusion, mit dem die menschliche Person zu existieren beginnt. Sie markiert den Beginn der Ersten Dimension und der Lebensspanne. Die Empfängnis ist ein Ereignis — kein Prozess —, das den ontologischen Anfangspunkt des Personseins setzt. Von diesem Augenblick an ist die Person ganz da: nicht als “potentielle Person”, sondern als wirkliche Person mit allen Wesenscharakteristika als grundlegender Befähigung. Die Empfängnis leitet die pränatale Phase ein, die sich in embryonale und fötale Phase gliedert.

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Ereignis, Prozess; markiert Beginn von: Lebensspanne, Pränatale Phase

Geburt

Die Geburt ist der Übergang von der pränatalen zur postnatalen Phase des menschlichen Lebens. Sie verändert nicht den ontologischen Status der Person: Der Mensch ist vor der Geburt dieselbe Person wie nach der Geburt. Die Würde und das Personsein beginnen nicht mit der Geburt, sondern mit der Befruchtung. Die Geburt markiert jedoch einen bedeutsamen Übergang: Das Kind tritt aus der einzigartigen leiblichen Nähe zur Mutter heraus in die Welt der interpersonalen Begegnung, des öffentlichen Raums und der familiären Gemeinschaft. Der Embryo bzw. das ungeborene Kind ist ontologisch bereits volle Person — die Geburt fügt dem nichts hinzu.

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Ereignis

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 127, 165, 203–204, 233, 236, 255 (Zygote/Befruchtung und Personsein).

Weitere Quellen:

  • Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 76, a. 1 (zur Seele als forma corporis).
  • Spaemann, Robert (1996): Personen. Versuche über den Unterschied zwischen „etwas” und „jemand”. Stuttgart: Klett-Cotta (zum Grundsatz „Es gibt keine potentiellen Personen”).
  • O’Rahilly, R. & Müller, F. (2010): Developmental Stages in Human Embryos: Revised and New Measurements. Cells Tissues Organs 192(2): 73–84.
  • Sadler, T. W. (2023): Langman’s Medical Embryology. 15. Aufl. Wolters Kluwer.

Siehe auch: