Derek Parfit (1942—2017)

Derek Parfit ist einer der einflussreichsten Vertreter der analytischen Philosophie des Geistes und der personalen Identität im 20. Jahrhundert. Im Buch steht er als Gegenposition: Sein reduktionistischer Personbegriff widerspricht dem substanzontologischen Personbegriff in fundamentaler Weise.

Schlüsselbeitrag

Parfit vertritt die These, dass die Person ein Epiphänomen ist — ein Nebenprodukt neuronaler und psychologischer Prozesse, kein eigenständiges Wesen. Es gibt keine “tiefere Tatsache” des Personseins jenseits der empirisch beschreibbaren Vorgänge. Die personale Identität ist kein Urphänomen, sondern ein Konstrukt, das sich auflöst, wenn man es genau genug analysiert. Damit stellt Parfit den diametralen Gegensatz zur These des Buches dar, dass Personsein ein irreduzibles Urphänomen ist (vgl. Bexten 2017, S. 90—95).

Zentrale Ideen im Buch

Person als Epiphänomen, nicht als Urphänomen

Während das Buch die Person als Urphänomen versteht — als irreduzible Wirklichkeit, die sich nicht auf Unpersönliches zurückführen lässt —, behauptet Parfit das genaue Gegenteil: Die Person ist ein Epiphänomen, ein Sekundäreffekt physischer und psychischer Prozesse. Es gibt kein Jemand hinter den Erlebnissen — es gibt nur die Erlebnisse selbst. Spaemann kritisiert: Wer so denkt, hat die Person bereits vergessen.

Linie Locke — Parfit — Singer

Parfit steht in der Linie des empirisch-funktionalistischen Personbegriffs, den John Locke begründet hat. Locke bindet Personsein an Selbstbewusstsein; Parfit radikalisiert dies, indem er die personale Identität ganz auflöst; Peter Singer zieht die ethische Konsequenz: Wer keine aktualen Bewusstseinsfunktionen hat, ist keine Person und hat keinen Anspruch auf denselben Schutz.

Kritik aus substanzontologischer Sicht

Das Buch wendet gegen Parfit ein: Wer das Personsein leugnet, muss erklären, wer es ist, der diese Leugnung vollzieht. Die Erkenntnis, die Freiheit, die Verantwortung setzen ein Zugrundeliegendes voraus — einen Jemand, der erkennt, frei ist und Verantwortung trägt. Das Epiphänomen-Modell unterbietet die Wirklichkeit der Person.

Stellung im Buch

Parfit wird vor allem im Kapitel Was passiert, wenn wir vergessen, wer der Mensch ist? als Beispiel für theoretische Personvergessenheit analysiert. Seine Position wird dem substanzontologischen Personbegriff gegenübergestellt und anhand der Unterscheidung von Personsein und Personverhalten widerlegt.

Siehe auch