Georg Wilhelm Friedrich Hegel war ein deutscher Philosoph, dessen dialektisches System die neuzeitliche Philosophie grundlegend geprägt hat. Sein Beitrag zum Buch liegt in der Gegenposition: Hegels Aufhebung des Identitätsprinzips unterminiert die Grundlagen des substanzontologischen Personbegriffs und bildet den Kern des dialektischen Denkens als zweitem Strang der Personvergessenheit.

Schlüsselbeitrag

Hegel ersetzt das Identitätsprinzip (A = A) durch die dialektische Bewegung von These, Antithese und Synthese. Der Widerspruch ist für Hegel kein Zeichen des Irrtums, sondern der Motor der Wirklichkeit: Das Sein geht in sein Gegenteil über und wird in einer höheren Einheit aufgehoben. Die Substanz wird zum Subjekt — sie ist kein bleibendes, mit sich identisches Sein, sondern ein Prozess des Sich-Entfaltens.

Konsequenzen für den Personbegriff

Für die Personalontologie hat diese Denkform weitreichende Folgen:

  1. Auflösung der Substanz: Wenn die Substanz Prozess ist, gibt es keinen bleibenden Träger des Personseins. Die Person wird, aber sie ist nicht in einem bleibenden Sinne.
  2. Aufhebung des Identitätsprinzips: Ohne Identitätsprinzip kann das agere sequitur esse nicht mehr gedacht werden — denn es gibt kein bleibendes esse, dem das agere folgen könnte.
  3. Verlust der unverlierbaren Würde: Wenn das Sein der Person kein identisches Sein ist, gibt es keinen ontologischen Grund für eine unverlierbare Würde.

Alma von Stockhausen hat gezeigt, dass Hegels Dialektik in einer Linie von Luther über Kant steht und in der Theologie Karl Rahners ihre Wirkung entfaltet. Diese Linie mündet in den Anti-Essentialismus: die Leugnung unveränderlicher Wesensformen.

Stellung im Buch

Hegel wird in Kapitel 5 als Vertreter des dialektischen Strangs der theoretischen Personvergessenheit diskutiert — im Kontrast zum empiristischen Strang (Locke, Hume, Singer).

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 218–254 (Theoretische Personvergessenheit).

Weitere Quellen:

  • Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1807): Phänomenologie des Geistes. Bamberg/Würzburg: Goebhardt. — Neu hrsg. v. H.-F. Wessels u. H. Clairmont. Hamburg: Meiner (PhB 414), 1988.
  • Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1812–1816): Wissenschaft der Logik. Nürnberg: Schrag. — Neu hrsg. v. G. Lasson. Hamburg: Meiner (PhB 56/57), 1971.
  • Stockhausen, Alma von (1990): Der Geist im Widerspruch — Von Luther zu Hegel. Weilheim-Bierbronnen: Gustav-Siewerth-Akademie.

Siehe auch