Solipsismus (lat. solus ipse — nur ich selbst) bezeichnet die philosophische These, dass nur das eigene Ich mit seinen Bewusstseinsinhalten wirklich existiert. Andere Personen, die Außenwelt, die Natur — all dies könnte bloßer Schein sein, eine Projektion des eigenen Bewusstseins.

Für die Interpersonalität ist der Solipsismus die radikale Gegenposition: Wenn es kein reales Du gibt, gibt es keine Liebe, keine Bejahung, kein Versprechen, keinen Dialog — alles, was das Personsein in der dritten Dimension ausmacht, wird unmöglich. Die Communio Personarum setzt voraus, dass andere Personen wirklich existieren — nicht als Konstruktion meines Bewusstseins, sondern als Jemand mit eigenem Innenleben.

Konsequenz des Positivismus

Max Planck hat gezeigt, dass konsequenter Positivismus in „unvernünftigen Solipsismus” mündet: Wenn nur die eigenen Sinnesempfindungen als Erkenntnisquelle gelten und nichts dahinter angenommen werden darf, gibt es keinen Grund, an die Existenz einer Außenwelt oder anderer Personen zu glauben. Die Naturwissenschaft selbst setzt aber die Existenz einer realen, vom Beobachter unabhängigen Welt voraus — der Positivismus untergräbt seine eigene Grundlage.

Phänomenologische Widerlegung

Die realistische Phänomenologie widerlegt den Solipsismus durch den Aufweis der Einfühlung: Im Erleben des Anderen zeigt sich unmittelbar ein fremdes Bewusstsein, das nicht aus meinem eigenen ableitbar ist. Edith Stein hat in ihrer Dissertation Zum Problem der Einfühlung (1917) gezeigt, dass die Erfahrung des fremden Ich ein eigenständiger, irreduzibeler Erkenntnisakt ist. Der Andere ist nicht erschlossen, sondern gegeben — als Jemand, nicht als bloßes Etwas.

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein, Kapitel 5: Personvergessenheit

Ontologische Einordnung: Unterklasse von: Theoretische Personvergessenheit. Widerspricht: Interpersonalität, Personsein.

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 218–254 (Theoretische Personvergessenheit).

Weitere Quellen:

  • Planck, Max (1937): „Religion und Naturwissenschaft”. In: Planck, Max: Vorträge und Erinnerungen. Stuttgart: Hirzel, 1949.
  • Stein, Edith (1917): Zum Problem der Einfühlung. Halle: Buchdruckerei des Waisenhauses. — Neu hrsg. in: ESGA 5. Freiburg: Herder, 2008.

Siehe auch