Form (griech. μορφή / εἶδος, lat. forma) ist das bestimmende Prinzip eines Seienden: das, wodurch etwas das ist, was es ist (τὸ τί ἦν εἶναι). Sie ist der Gegenpol zur Materie (ὕλη) und bildet zusammen mit ihr die hylomorphischen Konstitutionsprinzipien des Seienden.

Aristoteles entwickelt die Formlehre in der Metaphysik (Buch VII) und in De anima: Die Seele ist die Form des Leibes — das, was den lebendigen Leib zu einem lebendigen Leib macht. Thomas von Aquin übernimmt und vertieft diesen Gedanken: Die menschliche Seele (anima intellectiva) ist die substantielle Form des Menschen. Sie ist es, die den Menschen zu dem macht, was er wesentlich ist — ein vernünftiges Lebewesen.

Für die Frage nach dem Personsein ist der Formbegriff grundlegend. Das Personsein ist nicht eine äußere Eigenschaft, die zum Menschen hinzutreten oder wegfallen kann, sondern gehört zur Wesensform des Menschen selbst. Wer Mensch ist, ist Person — von der Befruchtung an, in der Ersten Dimension (Prote Energeia). Die Form bestimmt das Sein, nicht die aktuell ausgeübten Fähigkeiten. Das Prinzip agere sequitur esse — das Handeln folgt dem Sein — drückt genau diesen Zusammenhang aus: Die Zweite Wirklichkeit (Aktvollzüge) folgt der Ersten Wirklichkeit (dem Formsein), nicht umgekehrt.

Form und Materie sind ontologisch disjunkt: Die Form ist nicht die Materie, die Materie ist nicht die Form. Doch sie sind nur gemeinsam wirklich — als das eine, konkrete, lebendige Seiende.

Quellenangaben: Bexten 2017, Kap. 4, Abschn. 4.3 (Form und Materie) und 4.4 (Akt und Potenz).

Weitere Quellen:

  • Aristoteles: Metaphysik, Buch VII (Ζ). Übers. H. Bonitz, neu bearb. v. H. Seidl. Hamburg: Meiner (PhB 307/308), 3. Aufl. 1991.
  • Aristoteles: De anima, Buch II, Kap. 1. Übers. nach W. Theiler, hrsg. v. H. Seidl. Hamburg: Meiner (PhB 476), 1995.
  • Thomas von Aquin: Summa theologiae, I, q. 76 (De unione animae ad corpus). — Dt.: DThA, Bd. 6. Salzburg: Pustet.

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