Sterben ist kein Augenblick, sondern ein Prozess. International unterscheidet die Palliativmedizin drei Phasen — und einen vierten Punkt, an dem das Sterben in den klinischen Tod übergeht.

Präfinale Phase

Wochen bis Monate vor dem Tod. Klinisch markiert durch zunehmende Schwäche, Appetitverlust, sozialen Rückzug, Schlafstörungen. Die Person bleibt in der Regel kommunikationsfähig und urteilsfähig.

Personalontologisch ist das die Phase, in der die Personalistische Norm besonders gefordert ist: Die Person darf nicht auf ihre Krankheit reduziert werden. Ihre Erste Dimension (Personsein als solches) ist unangetastet; ihre Zweite und Dritte Dimension beginnen sich zu wandeln, ohne dadurch zu erlöschen.

Terminale Phase

Letzte Tage bis ein bis zwei Wochen. Klinisch markiert durch zunehmende Bettlägerigkeit, Bewusstseinsveränderungen (Delir möglich), reduzierte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme, Veränderungen des Atemmusters. Auf der Intensivstation ist die terminale Phase oft der Zeitraum, in dem über einen Therapieabbruch (WLST) entschieden wird — die kontrollierte DCD-Praxis beginnt hier.

Die Person ist in der aktualen Ausübung ihrer Fähigkeiten (Deutera Energeia) eingeschränkt. Ihr Personsein (Prote Energeia) bleibt davon unberührt — derselbe Grundsatz, der auch beim irreversiblen Hirnfunktionsausfall gilt.

Sterbende Phase (active dying)

Letzte Stunden bis maximal wenige Tage. Klinisch markiert durch Reaktionsverlust, unregelmäßiges oder rasselndes Atmen, Marmorierung der Haut, Kühle der Extremitäten, fixierte Pupillen unmittelbar vor dem Tod.

Die menschliche Person bleibt Person bis zum letzten Atemzug. Dieser Grundsatz unterscheidet die Hospizarbeit von der Euthanasie: Wo die Hospizarbeit das Personsein bis zum Ende bejaht, beendet die Euthanasie es vorzeitig — eine schwere Form der praktischen Personvergessenheit.

Klinischer Tod

Der Moment, an dem Atmung und Herzaktion enden, die Pupillen sich fixieren und der Körper still wird. Klinisch-medizinisch markiert er das Ende der Sterbephase.

Ontologisch ist die Identifikation des klinischen Todes mit dem sicheren Tod eine normative Setzung, keine ontologische Identität. Die Frage, wann die Trennung von Leib und geistiger Substanz wirklich vollzogen ist, beantwortet die Ontologie nicht durch ein klinisches Kriterium, sondern durch das Vorsichtsprinzip (Benedikt XVI.). Bei der Organspende nach Kreislaufstillstand ist der klinische Tod der Ausgangspunkt der Fünf-Minuten-Beobachtung, die Permanenz sichern soll.

Ontologische Einordnung

Oberbegriffe: Sterben (Prozess), Tod (Ereignis)

Ontologische Beziehungen:

  • Phasen-Reihenfolge: präfinale → terminale → sterbende Phase → klinischer Tod
  • bewahren das Personsein in jeder Phase: die Person bleibt Person
  • klinischer Kontext der kontrollierten DCD (Maastricht III): typischerweise terminale/sterbende Phase auf der Intensivstation
  • Total-Pain-Bezug: in jeder Phase wirken die Dimensionen des Total Pain zusammen

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Personalontologische Pointe

Die Phasen-Differenzierung ist nicht nur klinisch nützlich, sie ist personalontologisch tragend: Wer das Personsein an aktuelle Funktionen bindet, sieht die sterbende Person als „weniger Person”. Wer der hier vertretenen substanzontologischen Position folgt, sieht in jeder Phase dieselbe ganze Person — nur in unterschiedlichen Aktualisierungsformen.

Quellenangaben

Klinische Phasen-Beschreibung

  • Hui, David; dos Santos, Renata; Chisholm, Gary; Bansal, Suresh; Buosi Silva, Tatiana; Kilgore, Karen; Crovador, Camila S.; Yu, Xiaoying; Swartz, Maxine D.; Perez-Cruz, Pedro E.; Leite, Rosangela de Almeida; Nascimento, Marcia S. de Almeida; Reddy, Suresh; Seriaco, Fabiola; Yennu, Sriram; Paiva, Carlos E.; Dev, Rony; Hall, Sa; Fajardo, John; Bruera, Eduardo (2014). Clinical signs of impending death in cancer patients. Oncologist 19(6): 681—687. Beobachtungsstudie zu klinischen Markern der Sterbephase.
  • Hui, David; Hess, Karlie; dos Santos, Renata; Chisholm, Gary; Bruera, Eduardo (2015). A diagnostic model for impending death in cancer patients: Preliminary report. Cancer 121(21): 3914—3921. Diagnostische Marker für die letzten Tage.
  • Marie Curie UK: Stages of dying / End of life timeline. https://www.mariecurie.org.uk/information/end-of-life/stages-of-dying
  • Crossroads Hospice & Palliative Care: What Is Active Dying? Signs, Symptoms, and 3 Stages Explained. https://www.crossroadshospice.com/hospice-resources/end-of-life-signs/what-is-active-dying/
  • Lumina Hospice: Stages of Dying While in Hospice Care. https://www.luminahospice.org/stages-of-dying/

Diss-Position zum klinischen Tod

  • Bexten, Raphael E. (2017): Was ist menschliches Personsein? Der Mensch im Spannungsfeld von Personvergessenheit und unverlierbarer ontologischer Würde. Eichstätt-Ingolstadt: Univ., Diss. — Siehe Abschnitte zu Sterben, sicherer Tod und der Unterscheidung von ProteEnergeia und DeuteraEnergeia.

Anschluss an die Hirntod-Diskussion

Siehe auch


Generiert via Abfrage aus der Personseins-Ontologie.