Die causa finalis (Zweckursache) ist neben der causa efficiens (Wirkursache), der causa materialis (Stoffursache) und der causa formalis (Formursache) eine der vier Ursachen, die Aristoteles unterscheidet. Sie bezeichnet das Wozu eines Geschehens — den Zweck, das Ziel, um dessentwillen etwas geschieht oder ist.
Für die Personalontologie ist die causa finalis von grundlegender Bedeutung: Das Personsein ist nicht zufällig, sondern zielgerichtet. Die Person strebt von sich aus auf Wahrheit, das Gute und Liebe hin — nicht weil äußere Kräfte sie dorthin stoßen (causa efficiens), sondern weil diese Ziele in ihrer Natur angelegt sind. Das agere sequitur esse — das Handeln folgt dem Sein — setzt die Zweckursache voraus: Das Sein der Person ist auf bestimmte Vollzüge hin angelegt.
Die vier Ursachen
| Ursache | Frage | Beispiel (Mensch) |
|---|---|---|
| Causa materialis | Woraus? | Leib, Materie |
| Causa formalis | Was macht es zu dem, was es ist? | Rationale Seele als Wesensform |
| Causa efficiens | Wodurch? | Zeugung, Empfängnis |
| Causa finalis | Wozu? | Selbstvollendung in Wahrheit und Liebe |
Elimination der Zweckursache in der Neuzeit
Die neuzeitliche Naturwissenschaft hat die Zweckursache methodisch ausgeschlossen: Sie erklärt Naturvorgänge ausschließlich durch Wirkursachen (causa efficiens). Francis Bacon und Descartes erklärten die Suche nach Zweckursachen für unfruchtbar. Diese methodische Beschränkung wurde im Szientismus zur ontologischen These: Es gibt keine Zweckursachen — alles ist blinde Kausalität.
Max Planck hat dem widersprochen: Das Prinzip der kleinsten Wirkung in der Physik erwecke „den Eindruck, als ob die Natur von einem vernünftigen, zweckbewußten Willen regiert würde”. Die Zweckursache sei nicht eliminierbar, sondern zeige sich sogar in der Physik.
Bedeutung für den Personbegriff
Ohne Zweckursache ist das Personsein nicht denkbar: Die Selbsttranszendenz — das Über-sich-Hinausgehen auf Wahrheit und Liebe hin — ist wesentlich final, nicht effizient. Die Person wird nicht durch äußere Kräfte zur Wahrheit gestoßen, sondern strebt aus sich selbst auf sie hin. Wer die causa finalis leugnet, reduziert die Person auf einen Mechanismus — eine Form des Positivismus und der Personvergessenheit.
Causa efficiens
Die causa efficiens (Wirkursache) bezeichnet das, wodurch etwas bewirkt wird — die hervorbringende Ursache. Für die Personalontologie ist die Wirkursache der Zeugung die Empfängnis: Der neue Mensch wird durch die Vereinigung von Ei- und Samenzelle ins Dasein gerufen. Doch die Wirkursache allein erklärt nicht das Was und das Wozu des neuen Seienden — dafür bedarf es der Form- und der Zweckursache.
Thomas von Aquin lehrt, dass alle vier Ursachen zusammenwirken und keine allein das Seiende hinreichend erklärt. Die Reduktion auf die Wirkursache allein — wie in der mechanistischen Weltsicht — ist eine Verarmung des Seinsbegriffs.
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein, Kapitel 2: Methode
Ontologische Einordnung: Teil der aristotelisch-thomistischen Ursachenlehre. Setzt voraus: Metaphysik.
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 113–141 (Substanzontologie), S. 155–170 (Akt und Potenz).
Weitere Quellen:
- Aristoteles: Physik, Buch II, Kap. 3. Übers. H. G. Zekl. Hamburg: Meiner (PhB 380), 1987.
- Aristoteles: Metaphysik, Buch V (Δ), Kap. 2. Übers. H. Bonitz, neu bearb. v. H. Seidl. Hamburg: Meiner (PhB 307/308), 3. Aufl. 1991.
- Thomas von Aquin: Summa theologiae, I, q. 44 (De processione creaturarum a Deo).
- Planck, Max (1937): „Religion und Naturwissenschaft”. In: Planck, Max: Vorträge und Erinnerungen. Stuttgart: Hirzel, 1949.