Deutera Energeia
Zweite Wirklichkeit; die Ausübung von Tätigkeiten und Vermögen, die in der Ersten Wirklichkeit (Substanz) angelegt sind (z. B. aktuelles Denken, Wollen, Lieben). Die Deutera Energeia ist der aristotelische Begriff für die zweite Verwirklichungsstufe: die Tätigkeit, die aus dem substantiellen Sein hervorgeht.
Für die Personalontologie ist die Unterscheidung zwischen Prote Energeia und Deutera Energeia zentral: Das Personsein ist Prote Energeia — es geht jedem Personverhalten ontologisch voraus und kann durch kein Personverhalten konstituiert werden. Denken, Wollen, Fühlen, Handeln sind Deutera Energeia — sie setzen das Personsein voraus, begründen es aber nicht. Wer die Person auf ihre Deutera Energeia reduziert (wie der empirisch-funktionalistische Personbegriff), verwechselt den Erkenntnisgrund mit dem Seinsgrund (vgl. Bexten 2017, S. 166–172).
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Akt
Ontologische Beziehungen:
- setzt voraus: Prote Energeia
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein
Siehe auch: Prote Energeia, Akt, Personsein, Personverhalten, Zweite Dimension, Dritte Dimension, Bewusstsein, Agere sequitur esse, Aristoteles, Robert Spaemann