Zweite Wirklichkeit; die Ausübung von Tätigkeiten und Vermögen, die in der Ersten Wirklichkeit (Substanz) angelegt sind — etwa aktuelles Denken, Wollen und Fühlen. Die Deutera Energeia setzt die Prote Energeia ontologisch voraus: Man muss sein, bevor man handeln kann (Bexten 2017, S. 235 ff.).
Personverhalten als Deutera Energeia
Das Personverhalten — die Aktualisierung personaler Vermögen — ist Deutera Energeia. Es ist der Erkenntnisgrund des Personseins, nicht sein Seinsgrund. Daraus folgt: Auch ein Mensch, der keine Deutera Energeia aktualisiert (etwa ein Embryo oder ein Mensch im Koma), besitzt sein volles Personsein als Prote Energeia.
Deutera Energeia ohne Prote Energeia
Im Kontext der KI-Debatte zeigt sich: Eine KI erzeugt Deutera Energeia ohne Prote Energeia — Output ohne substantielles Sein. Im Bereich der Kunst kann KI Muster produzieren, die ästhetisch wirken, aber es fehlt das Sein, aus dem heraus produziert wird. Die wichtigste kreative Übung des Künstlers ist die Rückkehr von der Deutera Energeia zur Prote Energeia — vom bloßen Produzieren zum Sein.
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Akt
Ontologische Beziehungen:
- setzt voraus: Prote Energeia
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 164 (Grundbedeutungen des Wortes ‘Akt’).
Weitere Quellen:
- Aristoteles: De Anima II, 1 (Unterscheidung von erster und zweiter Wirklichkeit).
- Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, q. 48, a. 5 (actus primus und actus secundus).