Intentionalität

Intentionalität (von lat. intendere, “sich richten auf”) bezeichnet die grundlegende Eigenschaft des Bewusstseins, immer Bewusstsein von etwas zu sein: Der Geist ist wesentlich auf etwas gerichtet, offen für die Wirklichkeit (vgl. Bexten 2017, S. 259 ff.). Husserl machte die Intentionalität zum Grundbegriff der Phänomenologie; Reinach und Scheler entwickelten diesen Ansatz weiter. Jeder Bewusstseinsakt — Wahrnehmen, Denken, Wollen, Fühlen — hat einen Gegenstand, auf den er sich richtet. Die Vernunft ist intentional auf die Wahrheit gerichtet; Peter Wust spricht vom “Maßnehmen des Geistes an den Dingen”: Die Erkenntnis richtet sich an den Sachen selbst aus.

Intentionalität gehört zur zweiten Dimension des Personseins: Sie ist Personverhalten, nicht Seinsgrund der Person — der Mensch kann intentional auf die Welt gerichtet sein, weil er Person ist (agere sequitur esse), nicht umgekehrt. Innerlichkeit und Intentionalität bilden die zwei Seiten der personalen Geistigkeit: Selbstbesitz und Offenheit. Edith Stein und Conrad-Martius verbinden phänomenologische Intentionalitätsanalyse mit Realontologie. In der Liebe und Bejahung wird Intentionalität zur Selbsttranszendenz: Die Person richtet sich nicht bloß erkennend, sondern mit ihrem ganzen Sein auf den Anderen. Wojtyła und Hengstenberg betonen diese liebende Intentionalität als höchste Verwirklichung des actus humanus.

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Methode, Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Ontologische Einordnung: Oberbegriff: Bewusstsein

Siehe auch