Permanenz und Irreversibilität sind zwei verschiedene Stärken der Nichtwiederkehr eines Zustands. Die Unterscheidung ist für die Todesdefinition in der Transplantationsmedizin — besonders für die Organspende nach Kreislaufstillstand — entscheidend.

Permanenz liegt vor, wenn ein Zustand nicht spontan reversibel ist und keine Wiederherstellungsmaßnahme mehr eingeleitet wird. Permanenz schließt die Wiederkehr aus, weil nicht mehr eingegriffen wird — nicht weil ein Eingriff anatomisch unmöglich wäre.

Irreversibilität liegt vor, wenn die Aufhebung eines Zustands anatomisch und physiologisch ausgeschlossen ist — unabhängig davon, ob ein Eingriff versucht wird oder nicht.

Die Differenz lässt sich an einem Beispiel zeigen: Eine Asystolie kann fünf Minuten nach Beginn permanent sein — weil das Behandlungsteam entschieden hat, nicht zu reanimieren — und gleichzeitig nicht irreversibel — weil ein Reanimationsversuch theoretisch noch eine Chance hätte. Die Permanenz hängt am Willen, die Irreversibilität an der Anatomie.

Anwendung auf die DCD-Praxis

Die internationale DCD-Praxis stützt die Todesfeststellung auf Permanenz, nicht auf Irreversibilität. Nach beobachteter Asystolie wird ein no-touch-Zeitraum von mindestens fünf Minuten eingehalten — die Fünf-Minuten-Beobachtung —, in dem keine Wiederbelebungsmaßnahme erfolgt. Empirisch ist die Frist hinreichend, um spontane Wiederkehr (siehe Autoresuszitation) auszuschließen: Der längste dokumentierte Fall liegt bei 4 Minuten 20 Sekunden (Hornby et al., NEJM 2021).

Die Permanenz-Auslegung wird von Bernat und Pope verteidigt: Eine Person, die nicht reanimiert werden wird, bleibt nicht zurück — der normative Wille, nicht mehr einzugreifen, ist medizinisch und ethisch bindend. Truog (Hastings Center Report 2024) verschärft das Argument: Nach festgestellter Permanenz existiere kein Subjekt mehr.

Substanzontologische Position: Permanenz reicht nicht

Aus der hier vertretenen substanzontologischen Position ist Permanenz kein hinreichendes Kriterium für den sicheren Tod — also für die Trennung von Leib und geistiger Substanz, das Ende der Prote Energeia. Hinreichend wäre erst die Irreversibilität: ein Zustand, der nicht mehr aufgehoben werden kann, nicht bloß einer, in dem nicht mehr eingegriffen wird.

Die Begründung ist nicht klinisch-empirisch, sondern ontologisch: Was permanent ist, kann — prinzipiell — noch reversibel sein, wenn ein Eingriff erfolgte. Die NRP-Praxis zeigt das empirisch: Sie stellt Zirkulation wieder her, die nach der Permanenz-Definition „nicht zurückkehrt”. Genau dieser empirische Beleg unterläuft die Behauptung, Permanenz und sicherer Tod ließen sich identifizieren.

Konsequenz: Eine Praxis, die ihre Todesfeststellung auf Permanenz stützt und davon ausgehend Organe entnimmt — wie die DCD-Praxis — unterläuft die Voraussetzung der Dead Donor Rule und verletzt die Personalistische Norm potentiell.

Das Vorsichtsprinzip Benedikts XVI. ist die normative Antwort auf diese ontologische Lage: Wo nicht klar ist, ob die Person definitiv tot ist, gilt die schärfere Bedingung. Die Ontologie hält die Bewertung „verletzt potentiell” für die DCD-Praxis fest, nicht „verletzt definitiv” — weil die ontologische Frage epistemisch nicht abgeschlossen ist, aber das Vorsichtsprinzip verlangt, im Zweifel die strengere Auslegung anzunehmen.

Ontologische Einordnung

Oberbegriffe: Sachverhalt, Begriff

Ontologische Beziehungen:

  • begrifflich disjunkt: Permanenz versus Irreversibilität (zwei Stärken der Nichtwiederkehr)
  • empirisch begründet durch: Studien zur Autoresuszitation
  • normativ flankiert durch: Vorsichtsprinzip
  • praxisrelevant in: DCD, IHA

Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Was ist menschliches Personsein?

Quellenangaben

Begriffliche Differenzierung Permanenz/Irreversibilität

  • Bernat, James L.; Capron, Alexander M.; Bleck, Thomas P.; Blosser, Sandralee; Bratton, Susan L.; Childress, James F.; DeVita, Michael A.; Fulda, Gerard J.; Gries, Cynthia J.; Mathur, Mudit; Nakagawa, Thomas A.; Rushton, Cynda H.; Shemie, Sam D.; White, Douglas B. (2010): The circulatory-respiratory determination of death in organ donation. Critical Care Medicine 38(3): 963—970. Standardartikel zur Permanenz-Auslegung.
  • Bernat, James L. (2010): How the distinction between „irreversible” and „permanent” illuminates circulatory-respiratory death determination. Journal of Medicine and Philosophy 35(3): 242—255. Begriffsklärung.
  • Marquis, Don (2010): Are DCD donors dead? Hastings Center Report 40(3): 24—31. Kritische Position zur Permanenz-Auslegung.

Empirische Grundlage der Fünf-Minuten-Regel

  • Hornby, Karen; Hornby, Laura; Shemie, Sam D. (2010): A systematic review of autoresuscitation after cardiac arrest. Critical Care Medicine 38(5): 1246—1253. Erste systematische Übersicht.
  • Zorko, David J.; Shemie, Sam D.; Hornby, Laura; et al. (2023): Autoresuscitation after circulatory arrest: an updated systematic review. Canadian Journal of Anesthesia 70(4): 699—712. Aktualisierte Datenlage.
  • Hornby, Laura; Dhanani, Sonny; Shemie, Sam D. (2018): Update of a systematic review of autoresuscitation after cardiac arrest. Critical Care Medicine 46(3): e268—e272.

Substanzontologische Position

  • Shewmon, D. Alan (2001): The brain and somatic integration: insights into the standard biological rationale for equating „brain death” with death. Journal of Medicine and Philosophy 26(5): 457—478.
  • Bexten, Raphael E. (2017): Was ist menschliches Personsein?. Eichstätt-Ingolstadt, Diss. Sicherer Tod als ontologisches, nicht klinisches Ereignis.

Lehramtliche Stützung

Siehe auch


Generiert via Abfrage aus der Personseins-Ontologie.