Die performative Permanenz bezeichnet einen Zustand, der durch eine Behandlungsentscheidung (DNR, no-touch) faktisch nicht rückgängig gemacht wird — obwohl er prinzipiell wiederherstellbar wäre. Der Begriff macht die normative Schicht sichtbar, die Bernats Permanenz-Begriff von echter Irreversibilität trennt.

Bernat (Journal of Medicine and Philosophy 35, 2010, S. 242–255) hatte argumentiert, Permanenz sei ein „perfekter Surrogat-Indikator” für Irreversibilität. Die Performativität der Permanenz zeigt jedoch: Diese Identifikation ist konventionell, nicht ontologisch.

NRP als empirischer Test

Die normotherme regionale Perfusion (NRP) ist der entscheidende empirische Test der Performativitäts-These. NRP wird nach festgestellter Permanenz aktiviert und stellt — durch ECMO — die Zirkulation wieder her, um Spenderorgane zu erhalten. Wenn aber die Zirkulation reaktivierbar ist, war sie nicht irreversibel ausgefallen — sondern lediglich permanent im Sinne einer Behandlungsentscheidung.

Truog (Hastings Center Report 54, 2024) verteidigt die NRP unter Berufung auf den normativen Willen: Nach Eintreten der Permanenz existiere kein Subjekt mehr, dem Schaden zugefügt werden könne. Bernat und Pope antworten, dass die Wiederherstellung der Zirkulation die Permanenz performativ aufhebe — weil sie genau die Bedingung wiederherstellt, deren Ausbleiben zur Todesfeststellung geführt hatte. Omelianchuk et al. (Hastings Center Report 54, 2024) verschärfen die Kritik: Bei TA-NRP ist die Aortenbogen-Klemmung kausal todesverursachend, falls die Person nicht definitiv tot war.

Substanzontologische Konsequenz

Die performative Permanenz ist kein hinreichendes Kriterium für den sicheren Tod im substanzontologischen Sinn. Hinreichend wäre erst die ontologische Irreversibilität — die Trennung von Leib und geistiger Substanz, die nach keinem natürlichen Eingriff mehr aufhebbar ist. Solange ein Eingriff die Funktion wiederherstellen kann, war der Zustand nicht ontologisch irreversibel.

Konsequenz: Eine Praxis, die ihre Todesfeststellung auf performative Permanenz stützt und davon ausgehend Organe entnimmt — wie die Praxis der Spende nach Kreislaufstillstand mit NRP — verletzt die Dead Donor Rule und die Personalistische Norm potentiell. Die Ontologie hält diese Bewertung als „verletzt potentiell” fest, nicht „verletzt definitiv”: Die epistemische Frage ist nicht abschließend geklärt, aber das Vorsichtsprinzip verlangt, im Zweifel die strengere Auslegung anzunehmen.

Ontologische Einordnung

Oberklasse: Permanenz

Verbunden mit: Permanenz-These, Normotherme regionale Perfusion, Dead Donor Rule, Vorsichtsprinzip

Quellenangaben


Generiert via Abfrage aus der Personseins-Ontologie.