Die Permanenz-These ist die Position, dass Permanenz als Surrogat-Indikator für Irreversibilität hinreichend ist — weil sie ihr unmittelbar und unausweichlich vorausgeht. Die These trägt die internationale Praxis der Spende nach Kreislaufstillstand und ist Gegenposition zur Irreversibilitäts-These.

Vertreter

  • James L. Bernat — die Kanon-Quelle: „How the Distinction between Irreversible and Permanent Illuminates Circulatory-Respiratory Death Determination” (Journal of Medicine and Philosophy 35, 2010, S. 242–255). Vertieft in „Conceptual Issues in DCDD Donor Death Determination” (Hastings Center Report 48 Suppl 4, 2018).
  • David M. Greer und das World Brain Death Project — Greer et al. (JAMA 324, 2020, S. 1078–1097) verwenden die Formulierung „permanent loss of function with no possibility of recovery” — eine Verschiebung weg von „irreversible”.
  • Dale Gardiner und Andrew McGee — „Permanent: The UDDA Revision Series” (Neurology 2023) — Verteidigung des Wechsels zur Permanenz auf gesetzlicher Ebene.
  • Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) — Vernehmlassung 2025 zur Revision der Richtlinien „Feststellung des Todes im Hinblick auf Organtransplantationen”: erstmals in einer nationalen Richtlinie der ausdrückliche Vorschlag, „irreversibel” durch „permanent” zu ersetzen.

Argument

Bernats Schlüsselunterscheidung: „irreversibel” heißt „cannot reverse” (anatomisch-physiologisch unmöglich), „permanent” heißt „will not reverse” (kein Versuch wird unternommen). Die These behauptet, dass die Permanenz ein „perfekter Surrogat-Indikator” für Irreversibilität sei — weil nach Eintreten der Permanenz die Irreversibilität ohnehin innerhalb weniger Minuten folgt.

Praktische Tragweite

Die Permanenz-These ist nicht nur eine theoretische Position — sie ist die normative Grundlage der internationalen Praxis der Spende nach Kreislaufstillstand. Die Fünf-Minuten-Beobachtung nach Asystolie operationalisiert exakt die Permanenz-Setzung: Nach fünf Minuten ohne Reanimationsversuch gilt der Kreislaufstillstand als permanent — und auf dieser Grundlage wird der Tod festgestellt und die Organentnahme begonnen.

Empirische Anfechtung: NRP

Die normotherme regionale Perfusion (NRP) zeigt empirisch, dass die Zirkulation nach festgestellter Permanenz wieder hergestellt werden kann — was die Permanenz als rein performative Setzung enttarnt (siehe performative Permanenz). Truog/Miller und Omelianchuk argumentieren: Wenn die Reaktivierung möglich ist, war der Zustand nicht irreversibel — und die Dead Donor Rule wird verletzt.

Position der Ontologie

Die vorliegende Ontologie problematisiert die Permanenz-These im Lichte des Vorsichtsprinzips. Wo Permanenz performativ aufhebbar ist (NRP, Aortenbogen-Klemmung bei TA-NRP), liegt nur eine schwache Form der Nichtwiederkehr vor — substanzontologisch nicht hinreichend für die Identifikation mit dem sicheren Tod. Die Ontologie hält die Bewertung „problematisch unter Vorsichtsprinzip” für die Permanenz-These fest.

Ontologische Einordnung

Oberklasse: Position

Gegenposition: Irreversibilitäts-These

Verbunden mit: Permanenz, Performative Permanenz, Fünf-Minuten-Beobachtung, Spende nach Kreislaufstillstand, Vorsichtsprinzip

Quellenangaben


Generiert via Abfrage aus der Personseins-Ontologie.