🇬🇧 English version: Computational Conception of Intelligence
Die computationale Intelligenzkonzeption bestimmt Intelligenz als das Vermögen, Ziele in komplexen Umwelten zu erreichen — operationalisiert als Optimierungsverfahren oder als bounded rationality. Sie ist eine der fünf Intelligenzkonzeptionen der Personalontologie und substratneutral: Was zählt, ist die Funktion, nicht der Träger. Genau darin liegt ihre Stärke und ihre Grenze.
Drei Referenzlinien
- David Marr (Vision, 1982) unterscheidet drei Beschreibungsebenen eines informationsverarbeitenden Systems — die computationale (welches Problem wird gelöst), die algorithmische (mit welcher Repräsentation und welchem Verfahren) und die implementationale (in welcher physischen Realisierung). Intelligenz wird damit als lösbares Berechnungsproblem fassbar, unabhängig von seiner Verkörperung.
- Russell und Norvig (Artificial Intelligence. A Modern Approach, 2020) bestimmen den rationalen Agenten als ein System, das die erwartete Zielerreichung in seiner Umwelt maximiert. Intelligenz ist hier Maß der Performanz, nicht Eigenschaft eines Wesens.
- Marcus Hutter (Universal Artificial Intelligence, AIXI, 2005) formalisiert Intelligenz als universelle Optimierung über alle berechenbaren Umwelten — die mathematisch radikalste Fassung der computationalen Linie.
Substratneutralität und die Wer-Frage
Die Stärke der Konzeption ist ihre Substratneutralität: Sie kann Mensch, Tier und Maschine im selben Maßstab vergleichen und macht Intelligenz messbar, vergleichbar, optimierbar. Für Diagnostik, Benchmarking und Systementwurf ist das unverzichtbar.
Ihre Grenze ist dieselbe Eigenschaft: Sie ist blind gegen die Wer-Frage. Die computationale Konzeption fragt wie viel Intelligenz ein System hat, nicht wer überhaupt Träger sein kann. Die Frage nach dem Personstatus, nach Wahrheitsfähigkeit aus erster Person, nach dem Unterschied von Jemand und Etwas kann in ihr nicht einmal sinnvoll gestellt werden — nicht weil sie falsch beantwortet würde, sondern weil sie außerhalb ihres Maßstabs liegt.
In der Ontologie steht die computationale Konzeption als gleichrangige Schwester-Konzeption neben der substanzontologischen und der phänomenologischen Intelligenzkonzeption — alle drei sind „Intelligenz-unter-einer-Beschreibung”. Sie sind einander nicht entgegengesetzt, sondern verschieden ausgerichtet: Die beiden anderen fragen nach Träger und Aktstruktur, die computationale Linie nach Funktion und Grad. Gemessen an der substanzontologischen Leitlinie der Ontologie ist die computationale Konzeption legitim in ihrer Domäne, aber blind für die Personfrage. Eine Kollision entsteht erst, wenn eine Konzeption die Domäne der anderen besetzt — etwa wenn ein computationales Leistungsmaß zur Definitionsgrenze des Personseins erklärt wird.
Genau diese Domänengrenze schlägt auf die Beurteilung von KI durch: Unter computationalem Maßstab kann ein fortgeschrittenes KI-System menschliche Leistungswerte erreichen oder übertreffen — sein ontologischer Trägerstatus bleibt davon unberührt und kann als ontologisch unklar offen sein. Der Intelligenzakt in computationaler Lesart ist Output-Performanz, nicht der Vollzug eines Vermögens durch dessen Träger.
Ontologische Einordnung
- ist Form von: Intelligenzkonzeption
- gleichrangige Schwester-Konzeption neben der substanzontologischen und der phänomenologischen Intelligenzkonzeption (sowie der empirisch-funktionalistischen und der theologischen)
- von der substanzontologischen Leitlinie aus eingeordnet: substratneutral, blind gegen die Wer-Frage
Quellenangaben: Generiert via Abfrage aus der Personsein-Ontologie.
Weitere Quellen — auf Existenz und Korrektheit überprüft:
- Marr, David (1982): Vision. A Computational Investigation into the Human Representation and Processing of Visual Information. San Francisco: W. H. Freeman.
- Russell, Stuart & Norvig, Peter (2020): Artificial Intelligence. A Modern Approach, 4. Aufl. Hoboken: Pearson.
- Hutter, Marcus (2005): Universal Artificial Intelligence. Sequential Decisions Based on Algorithmic Probability. Berlin / Heidelberg: Springer.
Siehe auch
- Intelligenzkonzeption
- Substanzontologische Intelligenzkonzeption
- Phänomenologische Intelligenzkonzeption
- Empirisch-funktionalistischer Personbegriff
- Intelligenzakt
- Intelligenzträger
- Ontologisch unklarer Intelligenzträger
- Künstliche Intelligenz
- Neuro-symbolische KI
- Wahrheitsfähigkeit
- Vier Vermögensgrenzen
- Person
- Personsein