Die No-Touch-Periode ist die gesetzlich oder leitlinienbasiert festgelegte Wartezeit nach beobachteter Asystolie, in der keine Maßnahme an der Spenderin oder am Spender erfolgt — bevor die Permanenz des Kreislaufstillstands festgestellt und die Organentnahme begonnen wird.
Die Länge dieser Periode operationalisiert die Permanenz-Setzung quantitativ und ist ein zentraler Parameter der Vorsichtsprinzip-Prüfung.
Internationale Vergleichsmarker
| Land | Wartezeit | Quelle |
|---|---|---|
| USA, UK | 5 Minuten | Society of Critical Care Medicine; Bernat et al. 2010 |
| Australien | 2–5 Minuten | nationale Leitlinie |
| Spanien | meist 5 Minuten | ONT-Praxis |
| Italien | 20 Minuten EKG-flach | gesetzlich (Legge 578/1993) |
Italien hat damit die längste internationale No-Touch-Periode — Ausdruck einer strikten Vorsichtshaltung, die das italienische Programm zur Spende nach Kreislaufstillstand betriebswirtschaftlich erschwert, aber die Permanenz-Setzung maximal absichert.
Empirische Grundlage: Autoresuszitation
Die Fünf-Minuten-Konvention beruht auf der Autoresuszitations-Forschung. Dhanani et al. (NEJM 384, 2021, S. 345–352) dokumentierten in einer prospektiven Multizenter-Studie an 631 Patienten: Die längste Pulslosigkeit vor erneuter elektrischer Aktivität betrug 4 Minuten 20 Sekunden. Bei keinem Patienten kehrten sustained circulation oder Bewusstsein zurück. Hornby et al. (Canadian Journal of Anesthesia 70, 2023) bestätigen den Befund in einer aktualisierten systematischen Übersicht.
Damit ist die Fünf-Minuten-Frist empirisch knapp hinreichend, um die spontane Wiederkehr (Autoresuszitation) auszuschließen — sie macht aus Asystolie eine Permanenz, nicht eine Irreversibilität.
Substanzontologische Position
Auch die längste No-Touch-Periode (Italien: 20 Minuten) reicht nicht zur Feststellung der ontologischen Irreversibilität — sie sichert nur die Permanenz höher ab. Solange ein theoretischer Eingriff die Zirkulation wiederherstellen könnte, bleibt die Wartezeit ein Maß der Wahrscheinlichkeit, nicht der ontologischen Gewissheit.
Ontologische Einordnung
Verbunden mit: Permanenz, Asystolie, Autoresuszitations-Beobachtung, Fünf-Minuten-Beobachtung, Organspende nach Kreislaufstillstand
Quellenangaben
- Dhanani, Sonny et al. (2021): Resumption of Cardiac Activity after Withdrawal of Life-Sustaining Measures. NEJM 384(4): 345–352. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2022713
- Hornby, Krista L. et al. (2023): Autoresuscitation after circulatory arrest: an updated systematic review. Canadian Journal of Anesthesia 70(4): 699–712. https://link.springer.com/article/10.1007/s12630-023-02411-8
- Bernat, James L. (2010): How the Distinction between ‘Irreversible’ and ‘Permanent’ Illuminates Circulatory-Respiratory Death Determination. Journal of Medicine and Philosophy 35(3): 242–255. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20439357/
- Legge 29 dicembre 1993, n. 578 (Italia): Norme per l’accertamento e la certificazione di morte. https://www.centrotrapianti.unipr.it/LEGISLAZIONE/L578-93.pdf
Generiert via Abfrage aus der Personseins-Ontologie.