Der Falsifikationismus ist die von Karl Popper entwickelte wissenschaftstheoretische Position: Eine Theorie ist wissenschaftlich genau dann, wenn sie prinzipiell durch Beobachtung widerlegbar (falsifizierbar) ist. Das Kriterium der Falsifizierbarkeit soll Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft abgrenzen (Demarkationsproblem).

Poppers Argument

Popper reagiert auf das Induktionsproblem: Aus endlich vielen Beobachtungen folgt logisch nie eine universelle Aussage. „Alle Schwäne sind weiß” lässt sich durch Millionen weißer Schwäne nicht beweisen, aber durch einen einzigen schwarzen Schwan widerlegen. Wissenschaftlicher Fortschritt besteht demnach nicht in der Anhäufung bestätigender Beobachtungen, sondern in der systematischen Elimination falscher Theorien.

Grenzen: Die Duhem-Quine-These

Die Duhem-Quine-These zeigt die entscheidende Grenze des Falsifikationismus: Kein Experiment kann eine einzelne Hypothese isoliert falsifizieren, weil stets Hilfshypothesen mitgeprüft werden. Ein Widerspruch zwischen Theorie und Beobachtung zeigt nur, dass mindestens eine Annahme im System falsch ist — die Entscheidung, welche revidiert wird, erfordert ein Urteil, das über das rein Empirische hinausgeht.

Das macht Falsifizierbarkeit nicht wertlos — sie bleibt ein wichtiges regulatives Ideal —, aber sie ist kein hinreichendes Kriterium für Wissenschaftlichkeit. Wenn schon innerhalb der Naturwissenschaft die reine Empirie nicht ausreicht, dann kann der Szientismus — die These, nur empirisch Überprüfbares sei wirklich — erst recht nicht überzeugen.

Verhältnis zur Philosophie

Für die Personsein-Ontologie ist der Falsifikationismus in doppelter Hinsicht relevant:

  1. Als Element des modernen Wissenschaftsbegriffs: Die Verengung des Wissenschaftsbegriffs auf das Falsifizierbare schließt die Philosophie methodisch aus — Wesenswahrheiten sind nicht falsifizierbar, weil sie notwendig gelten.
  2. Als selbstbegrenzendes Kriterium: Poppers Demarkationskriterium ist selbst nicht falsifizierbar — es ist eine philosophische These über die Natur der Wissenschaft.

Ontologische Einordnung

Oberbegriffe: Moderner Wissenschaftsbegriff

Ontologische Beziehungen:

  • ist Unterklasse von: Moderner Wissenschaftsbegriff
  • wird begrenzt durch: Duhem-Quine-These

Kapitelzuordnung: Kapitel 2: Methode

Siehe auch

Quellenangaben: Bexten 2017, S. 44–47 (Moderner Wissenschaftsbegriff).

Weitere Quellen:

  • Popper, Karl R. (1934): Logik der Forschung. Wien: Springer. — Erw. engl. Ausg.: The Logic of Scientific Discovery. London: Hutchinson, 1959.
  • Duhem, Pierre (1906): La Théorie physique: son objet, sa structure. Paris: Chevalier & Rivière.
  • Harding, Sandra G. (Hrsg.) (1976): Can Theories Be Refuted? Essays on the Duhem-Quine Thesis. Synthese Library 81. Dordrecht: Reidel.