Passion
Unwillkürliche affektive Bewegung, die der Person widerfährt. Passionen sind nicht in sich sittlich gut oder böse, sondern werden es durch die Stellungnahme des freien Willens. Sie gehören als personaler Akt zum Vollzug des personalen Lebens, stehen aber in einem besonderen Verhältnis zur Freiheit: Die Person erleidet sie zunächst, kann und muss dann aber Stellung zu ihnen nehmen.
Die Passion unterscheidet sich vom intentionalen Gefühl dadurch, dass sie der Person widerfährt, während das intentionale Gefühl eine gerichtete Antwort auf einen erfassten Wert darstellt. Thomas von Aquin behandelt die passiones animae ausführlich in der Summa Theologiae (S.Th. I-II, qq.22–48) und unterscheidet elf Grundpassionen, geordnet nach dem concupisciblen und irasciblen Strebevermögen. Entscheidend ist: Die Passionen sind nicht zu unterdrücken, sondern zu integrieren. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Affektivität der Person und können — recht geordnet — den sittlichen Akt sogar verstärken.
Die thomistische Tradition betont, dass die sittliche Qualität einer Passion von der Wertantwort abhängt, die die Person ihr gibt. Ein Zorn, der sich gegen Ungerechtigkeit richtet und vom Willen bejaht wird, kann sittlich gut sein; derselbe Zorn, der sich in unkontrollierter Weise entlädt, verfehlt die personale Integration. Die Tugend besteht nicht in der Gefühllosigkeit (apatheia im stoischen Sinne), sondern in der rechten Ordnung der Passionen durch die Vernunft und den freien Willen. Die Person erweist sich gerade darin als Person, dass sie zu ihren Passionen Stellung nimmt und sie in den Dienst des Guten stellt (vgl. Bexten 2017, S. 150–160).
Ontologische Einordnung:
- Oberbegriff: Personaler Akt
Ontologische Beziehungen:
- wird qualifiziert durch: Freier Wille
- gehört zur: Affektivität
- steht in Beziehung zu: Wertantwort, Intentionales Gefühl
Kapitelzuordnung: Kapitel 4: Personsein
Siehe auch: Affektivität, Freier Wille, Wertantwort, Intentionales Gefühl, Person, Personaler Akt, Tugend, Thomas von Aquin