Prima intentio — die erste Intention — ist im scholastischen Sprachgebrauch ein Begriff, der sich auf außerhalb des Geistes existierende Gegenstände und ihre Eigenschaften bezieht. Der Begriff Pferd ist eine erste Intention, sofern er auf reale Pferde gerichtet ist; der Begriff Substanz, sofern er reale Substanzen erfasst. Erste Intentionen sind die Begriffe, mit denen das Erkennen den natürlich existierenden Dingen folgt.
Thomas von Aquin entwickelt die Unterscheidung im Kommentar zu den Sentenzen des Petrus Lombardus und in der Summa theologiae; Hervaeus Natalis (†1323) systematisiert sie in De secundis intentionibus zur Grundlehre der scholastischen Logik. Die Unterscheidung ist nicht psychologisch, sondern logisch-ontologisch: Sie betrifft die Richtung, in die ein Begriff zeigt — auf Sachen oder auf andere Begriffe.
Erste Intentionen sind die Werkzeuge objektiver Erkenntnis. Mit ihnen greift der Geist die Welt, wie sie ist. Sie unterscheiden sich von zweiten Intentionen (Begriffe über Begriffe — etwa Spezies, Gattung, Eigenschaft), die die Logik selbst zum Gegenstand haben. Beide haben ihren Ort, aber sie dürfen nicht verwechselt werden: Wer einen logischen Begriff für eine sachliche Bestimmung hält, begeht einen Kategorienfehler.
In der Personsein-Ontologie ist die Unterscheidung wirksam: Person, sofern auf konkrete Menschen gerichtet, ist erste Intention. Personbegriff, sofern auf den Begriff Person bezogen, ist zweite Intention. Diese Reflexionsstufe entspricht der Aktstruktur, die in der Phänomenologie als Noesis-Noema-Korrelation, in der modernen Kognitionswissenschaft als Metakognition (Cleeremans, Frith) wiederkehrt.
Ontologische Einordnung: Gegenbegriff: Zweite Intention.
Quellenangaben: Bexten 2017, S. 38–45 (Begriffslehre und Erkenntnis).
Weitere Quellen:
- Thomas von Aquin: Scriptum super Sententiis I, dist. 2, q. 1; Summa theologiae I, q. 13.
- Hervaeus Natalis: De secundis intentionibus. Paris ca. 1300.
Siehe auch
Generiert via Abfrage aus der Personseins-Ontologie.